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Kirsten Lornsen

Beteiligung in sozial benachteiligten Wohngebieten.

4 Abb..
kart.
159 Seiten
14,8x21cm 244 g
Erschienen 2011
ISBN: 3-930333-63-5

48.00 Euro
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Kurztext
Soziale Ausgrenzung und Benachteiligung haben besonders während der 1990er Jahre stark zugenommen. In der Folge sind zunehmend sog. sozial benachteiligte Wohngebiete entstanden. Um den Problemen dieser sozialen Segregation entgegenzuwirken, wurde 1998 die Bund-Länder-Gemein­schafts­initiative „Soziale Stadt“ beschlossen. An der Umsetzung des Programms ist die Gemeinwesenarbeit beteiligt. Gemeinwesen­arbeit hat tra­ditionell das Ziel, die Lebens­bedingungen der BewohnerInnen in sozial benachteiligten Wohngebieten zu verbessern. Die Beteiligung der BewohnerInnen sozial benachteiligter Stadtteile an den gesellschaftlichen (Re)inte­grationsprozessen ist fester Bestandteil des Programms „Soziale Stadt“ und der Gemeinwesenarbeit. Die gängige Beteiligungspraxis baut meist auf zeitlich und thematisch begrenzte Angebote. Bei der Umsetzung der Beteiligungsangebote hat es sich als problematisch herausgestellt, dass sich die Bevölkerung an diesen Angeboten gar nicht oder nur in geringem Maße beteiligt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die BewohnerInnen der Stadtteile inaktiv oder unbeteiligt sind. Sie sind – im Gegensatz zu den formalen und initiierten Beteiligungsangeboten – in informellen sozialen Netzen aktiv. Diese informellen sozialen Netze bezeichnen Jean Lave und Etienne Wenger als „Communities of Practice“, kurz CoPs. Bei CoPs handelt es sich um Wissensgemeinschaften – oder, genauer gesagt, um Lerngemeinschaften – deren Mitglieder sich zusammenfinden, um (Alltags)probleme zu bewältigen. CoPs entstehen und existieren überall. Im Gegensatz zu den formalen Beteiligungsangeboten legen die Mitglieder einer CoP den Zeitraum ihres Bestehens (es können Monate oder auch Jahre sein) und die Themen fest. CoPs können als natürliche Netzwerke sozialen Wissens bezeichnet werden. CoPs können entsprechend als genuine soziale Beteiligungsformen gesehen werden, in denen soziale – und damit zugleich gesellschaftliche – Realität hergestellt wird. Hieran knüpft der Ausgangspunkt zur Fragestellung dieser Arbeit an: Die realitätskon­stituierenden und -strukturierenden Eigenschaften von CoPs legen es nahe, der Frage nachzu­gehen, inwieweit Gemeinwesenarbeit den anvisierten sozialpolitischen und sozialpädagogischen (Beteiligungs)zielen näher kommt, wenn Communities of Practice als „natürliche“ Beteiligungs­formen wahrgenommen und unterstützt werden. Es wird deshalb danach gefragt, ob die informellen Strukturen von Communities of Practice ein ergänzendes (Schlüssel)konzept der Beteiligung benachteiligter Bevölkerungsgruppen und – idealtypisch gedacht – der Bewältigung gesellschaftlicher Problemlagen darstellen könn(t)en. Um dieser Frage nachgehen zu können, wurden über einen Zeitraum von neun Monaten regelmäßige Treffen von zwei thematisch offenen Gruppen teilnehmend beobachtet: ein offener Frauentreff und ein Sprachkurs für Russisch­sprachige. Beide Gruppen sind Beispiele für Communities of Practice. Sie treffen sich in einer Einrichtung, die sich in einem Stadtteil befindet, der als Programmgebiet in das Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen wurde. Darüber hinaus wurden die Ebenen der professionell tätigen PädagogInnen im selben Stadtteil und die politisch-admi­nistra­tive Sichtweise auf sozial benachteiligte Wohngebiete in die Untersuchung einbezogen. Der Hintergrund für das Einbeziehen aller genannten Ebenen ist folgender: Das Augenmerk rekonstruktiver Sozialforschung ist auf die Entdeckung gesellschaftlicher Entstehungsprozesse sozialer Realität gerichtet. Das bedeutet: Um soziale Realität und deren Phänomene verstehen zu können, bedarf es der Kombination (Triangulation) und Rekonstruktion aller Perspektiven, die an der Entstehung sozialer Realität (realitätsstrukturierend) beteiligt sind. Die methodologische Anlage der Studie ist die Grounded Theory.
Es werden zunächst Kontextinformationen zu den Ebenen der Gemeinwesenarbeit und der politisch-adminis­trativen Ebene dar­gelegt. Der Fokus richtet sich hierbei auf das Verständnis und die (historische) Entwicklung dessen, was aus Sicht der Gemeinwesenarbeit und der sozial­politischen Ebene unter dem Begriff der BewohnerInnenbeteiligung verstanden wird.
Für die Ebene der Gruppenmitglieder konnte die Schlüssel- bzw. Kernkategorie der „Anschlussstrukturen“ in jeweils unterschiedlichen Ausformungen (extern und intern) als Ergebnis formuliert werden. Der Umgang mit Themen und die Lösung von Problemen innerhalb dieser CoPs vollzieht sich immer im direkten Rückgriff auf die jeweils zugrundeliegenden (kulturellen) Erfahrungen.
Für die sozialpädagogische und die politisch-admi­nistrative Ebene zeigte sich die „Homogeni­sierung“ als Schlüssel- bzw. Kernkategorie. Diese Kernkategorie wird vor dem Hintergrund des von Norbert Elias entwickelten Modells der Etablierten-Außenseiter-Figuration diskutiert und theoretisch verdichtet. Auch die Schlüssel- bzw. Kernkategorie der unterschiedlichen „Anschluss­strukturen“, wie sie für die Ebene der Gruppenmitglieder formuliert werden konnte, lässt sich auf die Kategorie der Homogenisierung beziehen. Denn: Auch die unterschiedlichen Anschluss­strukturen sind Formen einer Homogenisierung.

 
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